Wiederstedter Bürger, denen das kulturelle sowie das geschichtliche Erbe ihrer kleinen Gemeinde sehr am Herzen liegt, trotzten dem Untätigsein. Wiederstedt, in unmittelbarer Nähe der Stadt Hettstedt gelegen, kann ein historisches Gebäude - noch dazu das Geburtshaus eines weltweit bekannten Wiederstedter Sohnes - aufweisen. Ausgerechnet dieses Gebäude, von zweifelsohne großer kultureller Geschichte, sollte dem Verfall und sogar dem Abriß ausgeliefert werden.
Mit dem Ziel, den Abrißstop zu erzwingen und das Schloß zur Aktivierung des langsam erlahmenden gemeindlichen Kulturlebens zu nutzen, formierten sich vor allem Jugendliche, aber auch Erwachsene, mit gemeinsamen Interessen.
Es fanden sich immer mehr, die nicht nur an der Erhaltung des Schlosses, sondern auch an dem Wiederstedter Bürger, dem Dichter und Forscher "Novalis", Interesse zeigten. So wurde im März 1988 eine Ortsgruppe des Kulturbundes der DDR gegründet: die Interessengemeinschaft "Novalis".
Der im Spätherbst 1987 auf Anordnung der damals Herrschenden begonnene Teilabriß des Westflügels des Schlosses konnte durch die Interessengemeinschaft mit großem Aufwand und persönlichem Engagement gestoppt werden. Somit war der erste Schritt, das Geburtshaus des Friedrich von Hardenberg vor der Auslöschung zu bewahren, getan. Die totale Zerstörung war damit erst einmal gebremst. Somit war das Schloß Oberwiederstedt als lokale Kostbarkeit gerettet. Jedoch wurde das Schloß entgegen vielfacher Proteste aus allen Reihen der Novalis-Verehrer und Denkmalschützer von der Denkmalliste gestrichen und somit dem weiteren Verfall preisgegeben.
Den Gründungsmitgliedern der Wiederstedter Ortsgruppe des Kulturbundes war bewußt, daß das Schloß und sein Umfeld nicht nur als Erinnerungsstätte eines großen Sohnes ihres Ortes von Bedeutung ist, sondern auch für die Identität der Gemeinde einen unwiederbringlichen Wert besitzt.